Innere Stille finden – durch Einkehr ins Herz
Die Zeichen der Zeit stehen auf „Lautstärke“. Es geht dabei nicht nur um äußere Lärmquellen, die unsere Ruhe stören und unser Nervensystem belasten, sondern vor allem um den sogenannten „inneren Lärm“: eine ständige Flut von Gedanken und Gefühlen, unsere Gier nach vermeintlich überlebensnotwendiger Information und Vernetzung. Diese Form des Getriebenseins ernährt sich weniger aus den äußeren Anforderungen und Umständen, sondern vor allem aus unserer oftmals unbewussten und tiefgreifenden Angst. Je abgesicherter unser Leben wird, desto deutlicher fühlbar wird unsere Angst vor Verlust des Gewohnten und dem ungewissen, unbekannten Leben.
Orte der Stille
In dieser Zeit, in der sich unsere westliche Gesellschaft immer mehr entfernt von Verinnerlichung und der Nähe zu dem, was wir Gott nennen, erwacht in Menschen zunehmend der Wunsch, Orte der Stille aufzusuchen und dort Seelennahrung zu finden.
So sehr wir uns auch nach Alleinsein, nach Ruhe und Gelassenheit sehnen, so sehr fürchten wir oft, uns alleine, innerlich leer, bedürftig, gelangweilt oder ängstlich zu fühlen. Wenn der Trubel unseres Treibens nachlässt, kommen wir mit dem in Kontakt, was wir sonst vermeiden.
Für die meisten Menschen braucht es die äußere Manifestation eines Ortes der Stille, um wirklich in innerer Stille anzukommen. In einem Kloster, einer Kirche, einem Ort der Meditation und Einkehr ist ein Entzug von weltlichem Leben, von allzu ausführlichem Sprechen und Denken, von Bildern und Beschäftigung möglich. Indem wir uns dessen enthalten, womit wir uns sonst anfüllen, können wir erkennen, was uns wirklich antreibt in unserem alltäglichen Leben; wir beginnen, die tieferen Motivationen und Antriebe unserer Lebensführung zu sehen. Man könnte auch sagen: Wenn es still wird, geht der Lärm oft erst richtig los! So sehr wir uns auch nach Alleinsein, nach Ruhe und Gelassenheit sehnen, so sehr fürchten wir oft, uns alleine, innerlich leer, bedürftig, gelangweilt oder ängstlich zu fühlen. Wenn der Trubel unseres Treibens nachlässt, kommen wir mit dem in Kontakt, was wir sonst vermeiden. Im stiller werdenden Herzen tauchen Gefühle auf, die wir verdrängt haben, spüren wir Angst, Zorn oder Bedürftigkeit, und nehmen möglicherweise wahr, dass wir leiden. Es wäre also zu einfach zu glauben, dass Stille dasselbe ist wie „unsere Ruhe zu haben“.
Der Unterschied zwischen Ruhe und Stille
Stille ist kein Idealzustand
In sich selbst zu ruhen, bedeutet Vertiefung. Und Vertiefung ist nur möglich im Einlassen. So ist Stille nicht das Produkt der Abwendung von uns, von kindlichen Gefühlen und Bedürfnissen, störenden Gedanken, Zweifeln und Befürchtungen, sondern die Frucht des immer tieferen Einlassens und „Hindurchtauchens“ durch all das, was uns nahe kommt. Das stille Lieben dessen, was IST, lässt uns im Einklang sein: es macht das Herz weiter, entleert den Kopf von zu vielen Gedanken, füllt den Bauch, so dass wir Ruhe finden – auch im Alltag. Es ist wesentlich, die Stille zu keinem hohen Ideal zu machen, nach dem wir streben und es selten berühren. Wir können jeden Moment nutzen, um tiefer zu tauchen als die Oberfläche der Erscheinungen und uns für das zu interessieren, was ist.
„Jeder Geist, der still geworden ist, ist in Frieden. Und diese Stille ist keine betäubende Stille, keine Stille, die irgendwelche Unannehmlichkeiten ausschließt. Nein, es ist die Stille, die hinter allem und in allem ist. Erinnere dich wieder dieser Stille! Du hast lange genug mit dem Lärm der Welt gelebt, innen wie außen. Stille ist immer da, und sie ist vollkommener innerer Frieden.“
OM C. Parkin