Erwachen aus dem Schlaf

Gespräche mit OM C. Parkin

In einem Artikel der Neuausgabe des advaitaJournals vom Herbst 2025 (Volume 16) beleuchtet OM den natürlichen Werdeprozess des Erwachens aus dem Schlaf des Menschen, der sich in Verdunkelung und Verblendung seines Bewusstseins zeigt. Dabei legt er auch die Täuschungen und Hindernisse offen, die dem Menschen auf dem Erwachensweg begegnen. Für die Leser unseres Blogs stellen wir hier einen kurzen Auszug zur Verfügung.

Erwachen, Erleuchtung, Verwirklichung, Realisation des Selbst (…), das ist das zentrale Anliegen des spirituellen, des inneren Weges. Die Seele spürt, ja sie weiß in der Stille ihres Seelengrundes, dass die äußere Welt nicht ihr wahres Zuhause ist, sondern dass die ‚Welt‘ und das ‚Ich‘ in dieser Welt ein leidvoller Traum, eine, nüchtern gesprochen, todgeweihte Illusion ist, und trägt in sich den Wunsch, eine tiefe Sehnsucht, in die göttliche eine Wirklichkeit von Liebe und Wahrheit zurückzufinden.

Feuervogel mit ausgebreiteten Flügeln

advaitaJournal Vol. 16

Erwachen in die Wirklichkeit
Mit Beiträgen von OM C. Parkin, Llewellyn Vaughan-Lee, Swami Dharma Sumiran, u.a.
advaitaJournal 16 - Erwachen in die Wirklichkeit

Der Schlaf ist die Selbstvergessenheit des Menschen

Die Weisheitslehren aller Zeiten und in allen Weltgegenden sprechen davon, dass die Menschen, ganz wenige ausgenommen, ihr Leben im Schlaf verbringen. Was bedeutet das?

Es bedeutet, dass der Mensch nicht weiß, dass er IST. Und er weiß nicht, wer er ist.

Er hat kein Bewusstsein?

Er hat Bewusstsein, aber das Bewusstsein ist verschattet und verblendet. Es gibt zwei Ebenen des Schlafes, die man unterscheiden muss. Im absteigenden involutiven Bogen kommt es zur Verdunkelung, im aufsteigenden evolutiven Bogen zur Verblendung. Verdunkelung ist der
passive, Verblendung der aktive Teil des Schlafes.

Was genau bedeutet Verdunkelung, was Verblendung im Bewusstsein des Menschen?

Verdunkelung geschieht auf dem absteigenden Bogen, welcher im einfachen Menschen unbewusst abläuft, der unbewusste Abstieg des Geistes in die Materie, in das Grobstoffliche, in die Physis, und damit in Veräußerlichung, Betäubung, Abstumpfung, Vergröberung der gesamten Wahrnehmung. Verblendung auf dem unbewussten aufsteigenden Bogen, welcher ins Geistige strebt, ist von anderer Natur; Verblendung wird im Wesentlichen durch aktive Selbsttäuschung geprägt, die den Eindruck von Aufgewecktsein und (veräußerlichter)
Wachsamkeit erwecken kann. Derjenige glaubt sich in der Realität zu befinden, vielleicht sogar Wahrheit zu denken oder zu sprechen, während er in Wirklichkeit an Formen der Selbsttäuschung leidet, die durch eigene Ideen, wie z.B. Selbstbilder, verursacht werden. Der Verblendete befindet sich in derselben Blase des denkenden Geistes, wie der Verdunkelte, auch wenn die hinterlassene Wirkung eine gegensätzliche ist.
Die wahrgenommene Welt eines Menschen, inklusive der Sinneswahrnehmungen, ist eine Form der geistigen Täuschung, weil alles von jenem Geist, der eben diese Täuschungen verursacht, wie durch einen feinen Schleier überlagert ist. Der Mensch sieht also nicht die Dinge, wie sie sind, sondern er sieht seine eigene Vorstellung der Dinge, die das So-Sein der Dinge nicht nur verzerrt, sondern grundlegend überlagert. Er sieht nicht ‚Das-was-ist‘. Gemeinsam machen Verdunkelung und Verblendung den Schlaf des Menschen aus. Manche Geister neigen mehr zur Verdunkelung, andere stärker zur Verblendung. Grundlegend ist es aber eine Mischung aus beiden Tendenzen, die in jedem Menschen den Schlaf ausbilden, den er für Wachbewusstsein hält.

Wahrnehmen des Notrufs der Seele

Es braucht Verfeinerung im Menschen. Es gibt innere Praktiken, welche der Verfeinerung dienen, z.B. Chi-Praktiken für die Verfeinerung des Körpers, und höhere Praktiken, welche der Verfeinerung des Geistes bis zu dessen Auflösung dienen: Kontemplations- oder Meditationspraktiken. Durch den bewussten Aufstieg in Verfeinerung erhöht sich zunehmend die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Der materialistische Mensch ist kognitiv stark eingeschränkt, weil die abgestiegene Identifikation mit Materie Bewusstsein „absorbiert“. Ein Mensch benötigt einen inneren Zugang zu einem Notruf der Seele.

Es gibt innere Bedingungen der Wahrnehmungsfähigkeit in einem Menschen, die notwendig sind, damit dieser Notruf durchdringen kann, und es gibt weitere Bedingungen, um diesen Notruf in eine konsequente innere Praxis zu geleiten, welche den Kontakt mit
dem „Seelenfunklein“ verstärkt, bis aus dem Fünklein ein Feuer und dann eine innere Glut wird. Wir können davon ausgehen, dass eine Vielzahl von Menschen diesen Notruf in bestimmten Momenten leise hören können, dass aber die Bedingungen nicht erfüllt sind, dieses leise Hören dann in eine konsequente (oder überhaupt in eine) innere Praxis zu übersetzen. Es wird ge-hört und im nächsten Augenblick über-hört. Die inneren Ohren
der Menschen sind durch die Aktivität des denkenden Geistes verstopft. Die Veräußerlichung der Aufmerksamkeit ist ausgerichtet auf Wahrnehmungen in der äußeren Welt, der materiellen Welt. Innen wird übersehen und überhört, ihm wird nicht die Wesentlichkeit
beigemessen.

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