Der Weg und die Frucht, eine Reise in die Einheit
Auszüge aus dem Artikel von Swami Dharma Sumiran
Aus dem advaitaJournal Vol. 16
Swami Dharma Sumiran schenkt uns in diesem Gespräch einen intimen Einblick in den Weg seines Erwachens und schildert dabei anschaulich die Stationen und Schwierigkeiten seiner spirituellen Reise. In klaren, offenen Worten spricht er über Erkenntnisse und Erfahrungen von Bewusstseinszuständen, die sein ehedem materialistisches Weltbild und sein Selbstbild von Grund auf zerstörten – auf seinem Weg in das unveränderliche Sein.
Er erläutert Missverständnisse und Fallstricke auf dem inneren Weg und betont dabei die Bedeutung der Präsenz des Gurus an der Seite des Schülers.
Auszüge aus dem Artikel
Ich freue mich dich zu treffen. Aber da ist auch eine Art Angst, die ich nicht erklären kann, und ich möchte dich fragen, warum es denn so aufregend ist, einem erleuchteten Meister zu begegnen?
Das Herz, die Seele, fühlt sich zum Meister hingezogen, während der Verstand Angst hat. Genau deshalb ist es auch so wichtig, die Identifikation mit dem Verstand aufzugeben. Das Herz sollte der Meister sein. Die Angst, die im Verstand entsteht, ist ganz natürlich. Du solltest nicht dagegen ankämpfen, aber du darfst auch nicht zulassen, dass diese Angst dein Verhalten bestimmt. Das Herz muss entscheiden, was zu tun ist. Gleichzeitig sollte man dem Geist erlauben seine Gefühle und Erfahrungen zu durchleben, ohne sie zu verdrängen und zu unterdrücken.
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Sumiran, was ist Erwachen? Was bedeutet Erwachen auf dem inneren Weg?
Ich denke, wir können zwei Hauptphasen unterscheiden. Die erste Phase des Erwachens nimmt ihren Anfang, wenn ein Mensch zu spüren beginnt, dass es im Leben mehr gibt, als er mit seinen fünf Sinnesorganen wahrnehmen kann. Es ist das Gefühl von Gott, von etwas Göttlichem im Universum. Dieses Gefühl mag vage und undefinierbar sein, aber es ist dennoch da. Das ist der Beginn deiner Suche. Die zweite Phase dessen, was wir als Erwachen bezeichnen können, ist die direkte Erkenntnis des Göttlichen. Das ist es, was wir Verwirklichung nennen. Der spirituelle Weg liegt zwischen diesen beiden Punkten.
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Du sagtest, 2006 sei das Jahr deines Erwachens gewesen. Kannst du etwas über dieses endgültige Erwachen sagen? Woher wusstest du, dass es vorbei war, dass es das „letzte“ Erwachen war, und dass Erkenntnis stattgefunden hatte?
Es ist schwer in Worte zu fassen. Im Christentum gibt es einen Satz: „Die Seele ruht in Gott.“ Er beschreibt ein Gefühl tiefen Friedens, das sich am Ende der Suche einstellt. Ich hatte sechzehn Jahre lang mit einem Gefühl des Suchens gelebt. Es hatte mein ganzes Leben geprägt. Als die Suche vorbei war, konnte ich es daher sehr gut spüren, denn das Suchen bedeutet Rastlosigkeit. Es fehlt dir immer etwas. (…) Wenn die Suche mit der Realisation endet, wird die Rastlosigkeit durch tiefen Frieden und ein Gefühl der Zufriedenheit ersetzt. So habe ich es auch erlebt. Es war das Ende des Suchens, das Ende einer langen Reise und das Ende einer geistigen Anspannung.
Und was ist jetzt? Gibt es noch einen denkenden Geist? Bist du noch ein Individuum, eine Person?
Natürlich ist das Instrument – also Körper und Geist – in seiner Individualität erhalten geblieben. Da ich mich nicht mehr mit diesem Instrument identifizierte, habe ich begonnen, alle destruktiven Programme auf allen Ebenen zu entfernen, was auch bedeutet, dass ich weiterhin an meinem Geist und meinem Körper arbeite, um sie gesünder und funktionsfähiger zu machen.
Würdest du sagen, dass sich dein Erwachen noch vertieft, wird die Erkenntnis tiefer?
Auf der tiefsten Ebene ist mein direktes Wissen über das Selbst seit 2006 unverändert geblieben. Dort gibt es keine Veränderungen. Da dieser Übergang absolut ist, kann es meiner Meinung nach keine Veränderungen geben. Alles, was sich ändert, geschieht in relativen Dimensionen. Daher sind die Dinge in relativen Dimensionen veränderlich, aber in der absoluten Dimension bleibt alles gleich.
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Für die meisten Menschen bleibt (…) das Verständnis von sich selbst als Mensch ein Leben lang unverändert. (…) Und diese Definition von uns selbst als Mensch bleibt bis zum Tod bestehen. Obwohl es eine falsche Identifikation ist, ist sie recht stabil. Sie ist eine Erfahrung der Stabilität in maya, der Illusion. Und eben diese Stabilität erweist sich im weiteren Verlauf als wenig dienlich für den Menschen – während Stabilität im wahren Wissen von sich selbst ein wahrer Segen ist.
Welche anderen Missverständnisse oder Fallstricke gibt es deiner Erfahrung nach auf dem spirituellen Weg?
Einer der Fallstricke, vor allem für westliche Menschen, besteht möglicherweise darin, konzeptionelles Wissen mit authentischem Wissen zu verwechseln. Informationen und Philosophie höherer Lehren (…) sind heutzutage für alle Menschen zugänglich. Menschen, die diese Texte lesen und ihnen intellektuell zustimmen, betrachten dies als Erkenntnis. Ich erkläre meinen Schülern immer wieder, dass wahre Erkenntnis auch mit dem Entstehen des Gefühls einer inneren Präsenz einhergeht, wenn jemand ganz subjektiv beginnt zu fühlen, dass Liebe, Freiheit, Mitgefühl, innerer Frieden und Segen in ihm zu wachsen beginnen. (…) Eine weitere Falle kann jedoch der Mangel an intellektuellem Wissen sein, denn ein Schüler sollte in der Lage sein, die Erfahrungen, die er auf seinem Weg durchlebt, richtig zu deuten. Daher sollte stets ein Gleichgewicht zwischen spiritueller Philosophie und innerer Erfahrung bestehen.
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Was genau ist die Rolle des Gurus, des Meisters auf dem Erwachensweg?
Das Wichtigste an einem Meister ist seine Präsenz, sein erwachter Seinszustand. Das Wichtigste, was ein Meister einem Schüler geben kann, ist die Möglichkeit, an seiner Seite zu sein und die Präsenz des Meisters zu teilen. Das ist das Wertvollste. Danach kann man über Techniken und Philosophie sprechen, aber das ist zweitrangig. Die Schüler, die in der Lage sind, von der Präsenz des Meisters zu profitieren, sind die reifsten. Techniken und Philosophie sind für weniger reife Schüler entwickelt worden.